NS-Opfer

Der Holocaust, der systematische Völkermord an etwa sechs Millionen Menschen, die als jüdisch definiert wurden, war das größte Verbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus. Triebkraft dieses bisher einmaligen „Zivilisationsbruchs“ [1] in der Menschheitsgeschichte war der gesamtgesellschaftliche Antisemitismus in Deutschland, der auch vor der jüdischen Bevölkerung Markkleebergs nicht Halt machte. Auch der Völkermord an den europäischen Sinti, Roma und Angehörigen anderer als „Zigeuner“ verfolgter Gruppen war ein Versuch der kollektiven Vernichtung. Etwa 15.000 Homosexuelle wurden ebenfalls in Lagern eingesperrt. Tausende kamen dabei ums Leben.

Daneben richtete sich die nationalsozialistische Rassenideologie gegen die slawische Bevölkerung Osteuropas in ihrer Gesamtheit. Bis Kriegsende wurden etwa 30 Millionen Militärangehörige und Zivilisten osteuropäischer Staaten getötet. Alleine 5,7 Millionen Angehörige der Roten Armee gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft, von denen etwa 3,3 Millionen an Hunger, Kälte, Krankheiten, Zwangsarbeit zugrunde gingen oder durch massenhafte Erschießungen getötet wurden.

Anhänger der linken Parteien, Zeugen Jehovas und oppositionell eingestellte Jugendliche waren schon seit 1933 als politisch unerwünschte Gruppen verfolgt und zu Tausenden ermordet worden. Auch die gezielte Ausgrenzung und systematische Ermordung von Bevölkerungsgruppen im Sinne der nationalsozialistischen „Rassenhygiene“ begann noch vor dem Krieg mit dem als „Euthanasie“ bezeichneten Mord an Menschen, die im Rahmen der NS-Ideologie als geistig und körperlich behindert eingestuft wurden.

Opfer der Euthanasie

Es sind mindestens 12 Personen aus Markkleeberg bekannt, die im Rahmen der sogenannten „Aktion T 4“ - benannt nach dem Sitz der Organisationszentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4 - zwischen Juni 1940 und September 1942 in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet wurden. [2] Nach der Einstellung der „Aktion T4“ durch die Berliner Zentrale im August 1941 erfolgte bis zum Kriegsende die sogenannte dezentrale Euthanasie, d.h. als „unwert“ bezeichnete Menschen wurden nicht mehr zentral und geplant ermordet, sondern es wurde bewusst in Kauf genommen, dass viele Menschen aufgrund von Unterernährung und schlechten hygienischen Zustände in den Anstalten starben. Wie viele Menschen aus Markkleeberg unter diesen Opfern sind, ist aufgrund der schlechten Aktenlage schwer zu sagen. Bekannt ist, dass bereits in den Jahren 1938 und 1939 in der psychiatrischen Landesheil- und Pflegeanstalt auf Schloss Colditz einige Menschen zu Tode kamen. [3]

Neben der Euthanasie im engeren Sinne, als Ermordung von Menschen, beinhalteten die Maßnahmen der Nationalsozialisten zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ auch Zwangssterilisationen. Nach NS-Ideologie sollte es diesen Menschen nicht gestattet sein, Kinder zu zeugen. Es sind mindestens 62 Menschen aus Markkleeberg bekannt, die sich in verschiedenen Krankenhäusern - in den meisten Fällen die Uniklinik Leipzig - dem Eingriff der Sterilisationen unterziehen mussten. [4] Bei einer Frau ist der Krankenakte zu entnehmen, dass sie zum Zeitpunkt des Eingriffes schwanger war und es somit auch zu einer Zwangsabtreibung kam. [5]

Außerdem waren Ärzte und Hebammen verpflichtet, bei Verdacht auf Erbkrankheiten dies dem Gesundheitsamt zu melden, welches ein Gerichtsverfahren zur „Unfruchtbarmachung“ einleitete. Angezeigt von ihren Ärzten wurden auch Patienten aus dem ehemaligen Sanatorium Hartheck in Gaschwitz. [6] Namentlich ist eine Frau bekannt, die aus dem Sanatorium nach Pirna-Sonnenstein verlegt und dort ermordet wurde. [7]

Opfer der NS-Justiz

Daneben sind noch die unzähligen Opfer der Justiz während der Zeit des Nationalsozialismus zu nennen, deren strafrechtliche Rehabilitierung in Deutschland bis in die jüngste Vergangenheit andauerte. Aus Markkleeberg betraf dies beispielsweise die Krankenschwester Helene Knothe, die gegenüber Patienten ihre Abscheu gegen Faschismus und Krieg geäußert hatte. Dafür wurde sie vom berüchtigten Volksgerichtshof wegen „Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt und am 20. Dezember 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet. [8]

Bekannt ist auch der Fall von Lina Iller, die am 4. November 1944 durch die Gestapo in Zöbigker verhaftet wurde, weil sie einen „wehrkraftzersetzenden“ Brief geschrieben hatte. [9] Dieser wurde geöffnet und durch den Ortsgruppenleiter in Zöbigker der Gestapo übergeben. Am 22. März 1945 verstarb Frau Iller im Gefängnis. Ihr Ehemann Arno Iller, gegen den ebenso ermittelt wurde, hatte große Schwierigkeit als Verfolgter des Naziregimes durch die staatlichen Organe der DDR anerkannt zu werden.

Helene Knothe

Johannes Hohaus
© Kulturbahnhof e.V., Markkleeberg
25. August 2016